Freitag, 6. Oktober 2017

Rezension: `Kleine große Schritte` von Jodi Picoult

* * * * *
Rassendiskriminierung- Kein Thema mehr ?















Ich bin seit Jahren Fan von Jodi Picoult, habe all ihre Bücher verschlungen, nur das letzte hat mir nicht so gefallen. Nun war ich gespannt, was mich bei `Kleine große Schritte` erwarten würde. Und ich muss sagen: Jodi Picoult hat wieder zu ihrer alten Form zurückgefunden!!

Ruth Jefferson arbeitet seit zwanzig Jahren als Hebamme im Mercy- West Haven Hospital. Sie hilft, Kinder auf die Welt zu bringen, kümmert sich um Neugeborene, assistiert bei OPs und geht ganz in ihrem Beruf auf.
Dass sie schwarz ist, war bisher nie ein Problem, bis der Vater eines Säuglings ihr untersagt, sein weißes Baby anzufassen. Ruth bekommt von der Stationsschwester die Anweisung, den kleinen David nicht zu behandeln, sich von ihm komplett fernzuhalten. Als David  jedoch um sein Leben kämpft und niemand außer Ruth da ist, gerät sie in Gewissenskonflikt.  Kann sie verantworten, das Baby durch Unterlassung eventuell sterben zu lassen oder soll sie ihren Job riskieren und ihn behandeln?

Trotz aller Maßnahmen stirbt das Baby! Die bisher völlig unbescholtene Ruth wird wegen Mordes angeklagt und natürlich verändert das ihr ganzes Leben.

Jodi Picoult lässt uns, wie immer, die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.  Ruth, ihre Anwältin Kennedy und Turk, der Vater des Jungen schildern alles aus ihrer Sicht. Turk ist total rassistisch, betreibt eine eigene Website, die sich intensiv mit dem Thema `Nichtarier` beschäftigt.
 Der Prozess beginnt und es war wieder mal höchst interessant zu lesen, wie sich der Charakter der Menschen verändern kann. Früher mochten alle Kollegen Ruth sehr gerne und waren auch tlw. mit ihr befreundet, doch davon ist nach der Anklage nicht mehr viel geblieben. Das Krankenhaus, dem sie zwanzig Jahre treu gedient hat, wirft sie den Löwen zum Fraß vor, nur damit niemand auf die Idee kommt, das Krankenhaus zu verklagen.
Erschütternd zu lesen, dass Schwarze in USA heute immer noch in vielen Dingen des alltäglichen Lebens diskriminiert werden. Einfach nur, weil sie eine andere Hautfarbe haben. Das war auch der Anwältin Kennedy nicht bewusst, erst als sie sich näher damit befasst, versteht sie es und versteht auch Ruths Wut, die seit Jahren in ihr schwelt.

Jodi Picoult  beschreibt den Prozess, aber auch die Gefühlslage der drei Protagonisten in ihrem unverwechselbaren Schreibstil. In den anderen ihrer Romane konnte ich meist jede der Handlungsweisen verstehen, wenn sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt wurde. Hier war das allerdings anders. Turk Bauer war mir direkt unsympathisch aufgrund seiner Einstellung. Sein Hass richtete sich ja generell gegen jeden Schwarzen, Asiaten oder Schwulen. Jeder, der nicht arisch war, fiel durch. Egal, ob er irgendetwas getan hatte oder nicht. Einfach dadurch, das er lebte.

Die ganze Zeit fieberte ich mit, wie die Geschworenen sich am Ende des Prozesses entscheiden werden, denn Kennedy hat manche Dinge herausgefunden, die sie in ihren Befragungen der Zeugen gut anbringt.
Als es schon sehr gut aussieht, gibt gerade Ruth durch ihre Aussage der Sache eine ganz neue Wendung und man fragt sich, was das soll.

Jodi Picoult hält so viele kleine Überraschungen für den Leser bereit, die das Ganze in ein anderes Licht tauchen.

`Kleine große Schritte` hat mir wieder sehr gut gefallen! Ein aktuelles Thema, spannend umgesetzt und trotz der knapp 600 Seiten hatte ich das Buch schnell durch, weil es mich von Anfang bis Ende gefesselt hat.




 Ich danke dem C. Bertelsmann Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn Ihr einen Kommentar abgeben möchtet, dann könnt Ihr das hier gerne tun.