Montag, 8. Januar 2018

Rezension: `Die Vergessenen` von Ellen Sandberg

* * * * *
Schuld und Sühne !!


















Den Anfang des Buches empfand ich zuerst als etwas schleppend, aber das brauchte es einfach, um die Figuren kennen zu lernen und anschließend gut in die Geschichte hineinzukommen.
Die Journalistin Vera Mändler entdeckt durch Zufall, dass ihre alte Tante Kathrin im Krieg in der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg gearbeitet hat, in dem behinderte Kinder systematisch entsorgt wurden. Niemals hat Kathrin davon gesprochen, deswegen ist Vera  sich nicht sicher, ob ihre Tante von den Tötungen wusste oder etwa selbst daran beteiligt war. Fragen kann sie sie nicht, denn sie liegt mit einem Schlaganfall im Krankenhaus.
Als Vera sich intensiver damit befasst, gelangen ihr alte Akten  in die Hände, die ganz klar mehrere Morde in der Klinik dokumentieren.
Sie wittert eine Story und fängt an, zu recherchieren. Dass sie sich dabei in höchste Lebensgefahr begibt, ist ihr zunächst nicht klar. 

In einem anderen Handlungsstrang lernen wir Manolis kennen, einen Mann, der jede Art von Aufträgen ausführt, ohne zu fragen. Solange ein Kunde bezahlt, erledigt er alle Arbeiten und kennt keinerlei Skrupel.
Diesmal soll er die Akten besorgen, die auch Vera gerade in den Händen hält.
 Wird ihn auch das Geschehen in Winkelberg kalt lassen oder erinnert er sich vielleicht an die schrecklichen Kriegserlebnisse seines Vaters?

Zwischendurch lässt die Autorin die junge Kathrin erzählen, was sie in der Klinik erlebt hat.
Als junge Krankenschwester war sie die Geliebte des Chefarztes, wusste bis dahin nicht, was er wirklich tat.
Behinderte Kinder hatten für die Nazis keine Lebensberechtigung, sie waren nutzlos und nur ein Kostenfaktor.

Meist denkt man bei den Opfern der Nazizeit an die Ermordung von Millionen Juden, aber es gab noch viel mehr Verbrechen und an diese `Vergessenen` erinnert Ellen Sandberg in ihrem Roman, der zwar fiktiv ist, aber durchaus der Wahrheit entsprechen könnte. 


Es war schrecklich zu lesen, welch unvorstellbare Gräueltaten durchgeführt wurden und was man den Menschen antat. Die Anweisungen zur Vernichtung der Ballastexistenzen kamen zwar von ganz oben, trotzdem blieb Euthanasie eine Straftat und so musste alles nach einem natürlichen Tod aussehen. Immer schön unter dem Deckmantel, dass es doch besser ist, tot zu sein, als behindert und außerdem wurden Behinderte als eine Bedrohung des gesunden Volkskörpers empfunden.

Die Arroganz der `Gesunden` ist unvorstellbar und macht einen heute noch wütend.



Im Laufe der Geschichte stellt sich aber heraus, dass jemand die Möglichkeit gehabt hätte, den Mörder zur Rechenschaft  zu ziehen und aus welchem Grund es nicht getan wurde. Leider kann ich nicht, ohne zu spoilern, näher darauf eingehen, aber das hat mich noch zusätzlich erschüttert.


  Obwohl ich schon sehr viel aus dieser Zeit gelesen habe, konnte mich `Die Vergessenen` fesseln  und tief berühren.
Das Buch ist keine leichte Kost, aber spannend und absolut lesenswert!!





Ich danke Vorablesen.de und dem Penguin Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.
















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